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BÜRGERINITIATIVE PAULUSVIERTEL E.V.

 

Das Paulusviertel in Halle

Geschichte und Entwicklung

Die Stadtentwicklung wurde in Halle 1871 sehr stürmisch vorangetrieben. Durch ein repräsentatives neues Stadtviertel für Professoren, Beamte, Angestellte und auch Verwaltungsgebäude wollte Halle seinen Anspruch unterstreichen, eine der bedeutendsten preußischen Städte zu sein, und auch den Kaiser als preußischen König dafür gewinnen, das Regierungspräsidium von Merseburg nach Halle zu verlegen.

Rund um den „Hasenberg“, auf dessen Spitze eine große Kirche konzipiert wurde, entstand kurz vor 1900 auf dem Reißbrett das „Kaiserviertel“: ein ring- und strahlenförmiges  Straßensytsem rund um den „Kaiserplatz“ (dem heutigen Rathenauplatz) mit vornehmen Wohnungen und Villen im  inneren Kreis und jenseits der „Kronprinzenstraße“ (heute Schleiermacherstraße) dann die Quartiere für die niederen Beamten und Angestellten....

Um 1900 begann die Bebauung im „Gründerzeitstil“, wobei sich das Hallenser Paulusviertel (wie es erst nach dem 1. Weltkrieg hieß) dadurch auszeichnet, daß viele Architekten herangezogen wurden und die Baupläne auch so verändert wurden, daß neben den typischen „Gründerzeitbauten“ auch italienischer Landhausstil (Schillerstraße), Jugendstil (z.B. Schleiermacherstr. 39) oder sogar Bauhausstil (Steffensstr., Albert-Schweitzer-Str.) sich zu einem einmaligen Gesamtensemble fügen.

1902/1903 wurde die Kirche gebaut, auf die die „Kaiserstraße“ (vom Bebelplatz aus, der damals Friedrichplatz hieß) und die große Freitreppe zulief. Die Kaiserin wurde „Schutzpatronin“ des Kirchenbaues; zum großen Verdruß der Hallenser „geruhte der Kaiser aber nicht, zur Einweihung der Kirche anwesend zu sein“ (- er hat nie seinen Fuß auf Hallenser Boden gesetzt, sondern fuhr nur mit der Kutsche durch Halle).

Der erste Weltkrieg, der Sturz des Kaisers und vor allem die Inflationszeit brachten die Bautätigkeit zum Erliegen, andere Hallenser „Neubaugebiete“ wurden zunehmend wichtiger („Massenbauten“ der Bauvereine im Süden von Halle und an anderen Stellen; im Paulusviertel entstand der Reilshof, der bis zum Frühjahr 2008 denkmalgerecht saniert wird).

Die weitere Bebauung des Paulusviertels scheiterte auch an geologischen Problemen: die Ring (zwischen der heutigen Herweghstraße und der Schule am Ende der Schleiermacherstraße) wurde nie geschlossen, da Verwerfungen durch den Bergbau den Lauf des kleinen Flüßchens „faule Witsche" sehr unkontrollierbar gemacht hatten.

In der DDR-Zeit haben Eigentumsprobleme (ein großer Teil der Häuser wurde von der KWV nur „treuhänderisch“ verwaltet), fehlende Finanzen und auch ideologische Vorbehalte gegen das bürgerliche „Kaiserviertel“ zu einem zunehmenden Verfall der Bausubstanz geführt. Ab Mitte der 80-ger Jahre bestanden Abrißpläne für die Häuser entlang der Ludwig-Wucherer-Straße und auch angrenzende Straßen.

Viele kleine Leute, an vielen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Gesicht der Erde verändern.

Afrikanisches Sprichwort
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